Biodiversität in der Landwirtschaft

Vielfältige Lebensräume, Arten und ein grosser Genpool: das bedeutet Biodiversität. Die Landwirtschaft ist auf eine grosse Biodiversität angewiesen. Leben in einem Feld viele verschiedene nützliche Insekten (= Nützlinge), ist die Wirkung auf schädliche Insekten wie Blattläuse besser. Genetische Vielfalt ermöglicht einer Population, sich an Veränderungen wie Krankheiten, Schädlingen oder dem Klimawandel anzupassen – und damit zu überleben. Diversität in jeglicher Hinsicht zu erhalten und zu fördern ist damit auch eine Absicherung für die Zukunft.

Nimmt Wald Überhand, sinkt die Biodiversität

Die Schweizer Bauernfamilien halten mit ihrer Arbeit die Flächen offen – ansonsten würden diese verwalden. Das passiert zum Beispiel auf abgelegenen Weideflächen im Wallis. Nimmt Wald Überhand, sinkt die Biodiversität: Es gibt viele Tiere und Pflanzen, die nicht im Wald leben. Zum Beispiel bodenbrütende Vögel wie die Feldlerche, die am liebsten in extensiven Wiesen nistet. Oder Reptilien und Insekten, die auf gut besonnte Flächen angewiesen sind, die sich schnell erwärmen. Oder Amphibien und Libellen, die in Wassernähe leben und sich fortpflanzen.

Biodiversität bedeutet auch Vielfalt der Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen

Auf Schweizer Bauernhöfen werden neben den bekannten Holstein-, Fleckvieh- und Simmentaler-Kühen zum Beispiel auch Hinterwäldler, Eringer und Pinzgauer gehalten. Auf Schweizer Feldern wachsen jährlich rund 30 Kartoffelsorten, 25 Weizensorten und daneben eine grosse Zahl von Nischenkulturen wie Quinoa, Lein oder alte Getreidesorten.

Im Gleichgewicht zu bleiben bedarf stetiger Aufmerksamkeit

Gleichzeitig beeinträchtigen landwirtschaftliche Tätigkeiten manchmal die Biodiversität. Starke Düngung, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder ausgeprägte Bearbeitung durch Maschinen können Insekten und wilden Pflanzen schaden und Lebensräume zerstören. Das Gleichgewicht zwischen der Produktion von Nahrungsmitteln und der Erhaltung und Förderung von Ökosystemdienstleistungen und Biodiversität ist manchmal schwierig zu erreichen.

19 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind für Biodiversität ausgewiesen

Deshalb wurde vor über zwanzig Jahren der «Ökologische Leistungsnachweis (ÖLN)» geschaffen. Wer Direktzahlungen erhalten will, muss im Minimum den ÖLN einhalten. Viele Betriebe produzieren heute nach höheren Standards wie IP-Suisse oder Bioknospe. Zum ÖLN gehört Tierschutz, Düngerbilanz, Fruchtfolge, Bodenschutz, der gezielte und zurückhaltende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und mindestens 7 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche müssen sogenannte «Biodiversitätsförderflächen (BFF)» sein. Viele Betriebe machen mehr – gemäss Agrarbericht 2020 sind im Durchschnitt fast 19 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche als BFF ausgewiesen.

Es gibt verschiedene Arten der BFF wie extensive Wiesen, Hecken, Brachland oder eben Blühstreifen. Hier stellen wir einige vor.

Extensive Wiese

Werden Wiesen nur selten gedüngt und geschnitten, können sich dort 40 bis 70 seltene Arten erhalten. In extensiven Wiesen kannst du zum Beispiel Esparsetten, Skabiosen-Flockenblumen, Wiesensalbei oder Orchideen finden. Neben vielen Insekten und Spinnen finden auch Frösche, Eidechsen und Blindschleichen hier Lebensraum. Bodenbrütende Vögel, Rehe, Hasen und kleine Säuger nutzen diese Flächen ebenfalls.

Blühstreifen

Mit einheimischen Wild- und Kulturpflanzen angesäte Blühstreifen an Ackerrändern sollen die Nahrungslücke für pollen- und nektarsuchende Insekten im Sommer schliessen.

Buntbrache

Buntbrachen sind mit einheimischen Wildkräutern angesäte Flächen. Idealerweise bleiben sie mehrere Jahre bestehen. Mit teilweise offenen Bodenstellen und verholzten Pflanzenteilen, z. B. von der Königskerze, bieten sie vielfältigen Tieren Lebensraum, zum Beispiel Nützlingen wie Schwebefliegen, Marienkäfern, Laufkäfern oder Spinnen. Bodenbrütende Vögel und Hasen finden hier Ruhe und Nahrung und können ihren Nachwuchs aufziehen.

Hochstamm-Feldobstbäume

Vögel, Fledermäuse und Insekten finden in und um Hochstammbäume Lebensraum und Nahrung. Um die Biodiversität besonders gut zu fördern, werden Hochstammbäume mit halb-natürlichen Lebensräumen in der Nähe kombiniert wie Hecken und extensiven Wiesen oder Weiden.

Hecken

Hecken bestehen aus einheimischen Sträuchern. Früchte- und dornentragende Pflanzen bieten Nahrung und Unterschlupf. Hecken dienen ausserdem der Vernetzung: unsere Landschaften sind durch Strassen, Wege und intensiv bewirtschaftete Flächen mittlerweile stark zerstückelt. Streifenförmige Elemente wie Hecken oder Baumreihen ermöglichen es Wildtieren und Insekten, besser von einer naturnahen Fläche in eine andere zu gelangen.

Rebflächen mit natürlicher Artenvielfalt

Rebflächen befinden sich häufig an Standorten mit grossem biologischem Potenzial. Mit Strukturelementen wie Büschen, Einzelbäumen, Stein- und Asthaufen und benachbarten Lebensräumen wie Hecken oder steinigen und kargen Flächen bietet sich hier vielen Tieren und Pflanzen ein sehr vielfältiger Lebensraum.

Wassergräben, Tümpel und Teiche

Am Wasser ist Biodiversität häufig sehr hoch. Hier treffen mehrere Lebensräume aufeinander: manche Tiere und Pflanzen leben ausschliesslich im Wasser (wie Krebstiere und Wasserinsekten), andere am Wasserrand, wiederum andere sind für bestimmte Phasen in ihrem Leben (z. B. Amphibien und Libellen für die Fortpflanzung) auf Wasser angewiesen. Darüber hinaus kommen hier viele verschiedene Tiere wie Vögel, Schmetterlinge und Bienen zur Tränke.

Stein- und Asthaufen

Stein- und Asthaufen bieten Reptilien und Kleintieren Unterschlupf und Schutz. Solche Strukturelemente werden immer auf Biodiversitätsförderflächen angelegt, um den Tieren gleichzeitig Nahrung zu bieten: zum Beispiel auf extensiven Wiesen oder Weiden oder auf Buntbrachen.

Trockenmauern

Trockenmauern bestehen aus Natursteinen und werden ohne Mörtel gebaut. Dadurch finden Reptilien, Insekten, Spinnen und Schnecken Unterschlupf; Moose und Flechten können die Steine besiedeln. Trockenmauern werden mit Biodiversitätsförderflächen kombiniert, um den Tieren gleichzeitig Nahrung zu bieten: zum Beispiel auf extensiven Wiesen oder Weiden oder mit Rebflächen mit natürlicher Artenvielfalt.

Sie möchten es genauer wissen?

Hier gibt es eine detaillierte Übersicht über die verschiedenen Biodiversitätsförderflächen.

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